Das österreichische Bundesheer steht vor der größten Änderung des Wehrdienstes seit Jahren. Wer 2027 oder später einrückt, wird einen anderen Dienst erleben als die Jahrgänge davor. Hier der Stand der Dinge – mit dem wichtigen Vorbehalt, dass noch nicht alles beschlossen ist.
Mehr Geld: 1.000 Euro im Monat
Die auffälligste Änderung. Die monatliche Vergütung für Grundwehrdiener soll auf 1.000 Euro steigen. Für viele ist das der Unterschied zwischen „sechs Monate finanziell überbrücken“ und „sechs Monate, in denen auch etwas übrig bleibt“.
Urlaubstage – neu
Grundwehrdiener sollen erstmals Urlaubstage bekommen. Ein Detail, das in den Schlagzeilen untergeht, im Alltag aber viel ausmacht.
Drei Monate Milizpflicht
Der Kern des Dienstes bleibt gleich lang. Neu ist, dass drei Monate verpflichtende Miliztübungen dazukommen. Ein Teil davon soll unmittelbar an den Grundwehrdienst anschließen, weitere Übungen verteilen sich auf die folgenden zehn Jahre.
Praktisch heißt das: Mit dem letzten Tag in der Kaserne ist die Sache nicht mehr endgültig erledigt. Das Abrüsten bleibt ein Meilenstein – aber die Verbindung zum Heer hält länger.
Ab wann?
Geplantes Inkrafttreten ist der 1. Jänner 2027. Wichtig: Die Reform braucht eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Die Regierung sucht dafür die Zusammenarbeit mit Oppositionsparteien. Bis diese Mehrheit steht, ist das Vorhaben ein Plan und kein Gesetz.
Die Wehrdienstgarantie ab 2028
Ein weiterer Baustein: Ab 2028 soll eine sogenannte Wehrdienstgarantie greifen. Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener in einem Jahr um mehr als 7,5 Prozent unter 15.000, wird der Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft um zwei Monate verlängert.
Der Mechanismus soll verhindern, dass zu viele den Zivildienst wählen und dem Heer die Leute ausgehen.
Was noch dazugehört
Vorgesehen sind außerdem jährliche Zivilschutzübungen, ein Orientierungsprogramm namens „Österreich-Woche“ mit Schwerpunkt auf demokratischen Werten und Sicherheitsbewusstsein, eine modernisierte Milizverwaltung und mehr Möglichkeiten, während des Dienstes berufliche Qualifikationen zu erwerben. Frauen sollen leichteren Zugang zu freiwilligen Dienstformen bekommen.
Was das für dich heißt
Rückst du noch 2026 ein? Dann gelten für dich die bisherigen Regeln. Dein Dienst dauert sechs Monate, und mit dem letzten Tag ist der Präsenzdienst abgeschlossen.
Rückst du 2027 oder später ein? Dann rechne mit mehr Geld, Urlaubstagen und einer längeren Bindung über Miliztübungen – sofern die Reform die nötige Mehrheit findet.
An einem ändert sich nichts: Der Tag, an dem du die Ausrüstung zurückgibst und aus dem Tor gehst, bleibt der Tag, auf den alle hinzählen. Wie dieses Zählen funktioniert und was die „Lage“ damit zu tun hat, erklären wir in unserem Bundesheer-Glossar.
Stand: August 2026. Die Reform ist zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht beschlossen. Verbindliche Informationen zu deinem Dienst bekommst du beim Bundesheer.